und - Das Münchner Kunstjournal Heft Nr.45 Jan/Febr/März 2011

Nicht versäumen

Das zentrale Thema der Künstlerin Petra Beeking ist der Mensch. Im Gewölbesaal der Mohr-Villa Freimann präsentiert sie Arbeiten auf Papier und Leinwand aus drei Werkgruppen....Im dritten Teil präsentiert P.B. Arbeiten aus der Werkgruppe "Puppen". Ein Thema, das u.a. Oskar Kokoschka beschäftigte, wird hier auf verschiedenen Wegen hinterfragt und dargestellt....


Münchner Merkur, 14.Mai 2009

Ausstellung im Stockwerk

" Durch starken Ausdruck überzeugt Petra Beeking. Die Künstlerin schafft ihre Zeichnungen live, geht in Tanzstudios und lässt die Spannungen, die der tänzerischen Bewegung innewohnen, auf sich wirken und durch ihre Feder aufs Papier fließen." Dadurch entstehen Bilder, bei denen dem Betrachter weniger eine äußere Schönheit entgegenspringt; vielmehr offenbaren sie eine innere, angreifbare Seite der Persönlichkeit." Ihre Zeichnungen mit Rohrfeder und Tusche präsentieren sich reduziert und locker."


MOZ, 15./16.August 2009

Tanzende Linien

"Egal, welchen Weg die Linie noch nimmt, welchen Schlenker sie macht, welche Farbfläche sie trifft, durchrennt, unterschreitet: Am Ende ist es immer der Mensch, der aus Petra Beekings Arbeiten heraustritt..."!

"...Der schnelle Strich, mit dem sie arbeitet, ist förmlich spürbar. .."

"...Drei bis fünf Minuten braucht sie für eine Zeichnung, wenn sie mit Modellen arbeitet. Zeichnet sie zum Beispiel Tänzer während der Proben, genügen oft wenige Sekunden. Da sie unter anderem mit Tusche und Rohrfeder arbeitet, ist jede Linie, jeder Punkt gesetzt und lässt sich nicht mehr zurücknehmen..."


Text zu Glückliche Jahre
Schwarz-weiß Fotographien dienen Petra Beeking als Inspiration für ihre farbvollen Arbeiten. Einzelne Charaktere, manchmal ganze Szenen, werden herausgelöst und verschmelzen mit den eigenen Erinnerungsbildern.
Durch einen gestischen Pinselduktus und eine oft eigenwillige Farbigkeit erschafft die Künstlerin mittelformatige Acrylbilder mit einem intensiven „Innenleben“. Dabei erfährt die Figur im zunehmend undefinierten und rein malerisch gestalteten Raum eine Präsenz, die in ihrer Art oft schwer zu bestimmen ist. Die Bilder werden von einer Stille getragen, die zwischen vertraut und fremd kippt. Die Figuren und Köpfe wirken unfertig, Szenen erscheinen fragmentarisch und lassen so dem Betrachter die Möglichkeit zu eigenen Interpretationen.

Text zu Le Bebe
In der Geschichte waren die frühesten Puppen keine Spielobjekte. Vielmehr dienten sie verschiedenen kultischen Zwecken und hatten magische und religiöse Bedeutung. Die Puppe - als ganzer Körper oder als Körperfragment - ist bereits in den 1920er, 30er Jahren eine Projektionsfigur, die verschiedene Künstler z.Bsp. Hans Bellmer, Oskar Kokoschka) beschäftigt bis in die Gegenwart (Cindy Sherman, Kiki Smith). Heute geht es dabei mehr um die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Körperbildern, die zwischen Werbung, Schönheitschirurgie und Gentechnologie angesiedelt sind. Mit verschiedenen Medien versucht Petra Beeking diese häufig verletzten und verlorenen Figuren einzufangen.


Text:  Arbeiten auf Papier - zwischen Figur und Abstraktion
Das zentrale Thema der Künstlerin Petra Beeking ist der Mensch. Jede Arbeit beginnt mit größtmöglicher Offenheit und Freiheit, was es ermöglicht, das Feld zwischen Momentaufnahmen, Werkprozess und individuellem Ausdruck immer wieder neu auszuformulieren. Geprägt durch die Zusammenarbeit mit Tänzern kennzeichnen Schnelligkeit und Konzentration die Arbeitsweise. Eine tänzerische Bewegung ist flüchtig wie der Augenblick, was bleibt ist die Erinnerung einer Anmutung. Der Vorgang des Zeichnens setzt hier ganz unmittelbar an. Feinstes Liniengeäst und energetische Linien in impulsiv-spontanem Duktus tasten sich gekonnt an den menschlichen Körper heran. So entstehen Bilder, bei denen dem Betrachter weniger eine äußere Schönheit entgegen springt, vielmehr offenbart sich eine innere, angreifbare Seite der Persönlichkeit. Die Linie wirkt dabei nicht einengend konturierend, sondern fördert die innere Bewegtheit der Figuren an die Oberfläche. Lasierende, abstrakte Farbflächen und Gestus transportieren Emotion und umschreiben die inneren Welten, aus denen die individuellen Gestalten hervortreten. Die Arbeiten bestechen durch virtuose Einfachheit und lassen die Leidenschaft für den Menschen und seine vielfältigen Ausdrucksformen in immer neuen Facetten aufleuchten.

English : Works on Paper - Between the Human Figure and Abstraction
The artist Petra Beeking's main subject is the human figure. Each work starts with the highest possible degree of openness and freedom, which allows her to decipt the area between capturing a moment, the work process, and the individual expression in ever-changing new forms. Inspired by the collaboration with dancers, her work method displays quickness and concentration. A dance-like movement is as fleeting as a moment in time, what remains is the memory of an impression. The process of drawing is very immediate here. The finest branches of lines and lines of energy in an impulsive-spontaneous characteristic style skillfully feel their way toward the human body. And so images are created that confront the viewer not so much with an external beauty, but rather an inner, vulnerable side of the personality is revealed. The line doesn't appear to be a stifling contour, but rather it supports the inner agility of the figures on the surface. Glazed, abstract patches of color and gestures transport emotions and transcribe the inner universes from which the individual figures emerge from. The works captivate with their virtuous simplicity and allow the passion for a person and the person's multiple forms of expression to shine in constantly new facets.